Ernährung

Soja – die gesündere und umweltfreundlichere Alternative?

In Deutschland leben rund sieben Millionen Vegetarier und Veganer, die auf tierische Lebensmittel verzichten und ihren Eiweißspeicher oftmals durch Ersatzprodukte wie Tofu auffüllen. Das Tofu, aus Soja hergestellt wird, ist allerdings in der Kritik von Umweltschützern. Ein detaillierter Blick auf die Sachlage lohnt sich.

Das meiste Soja geht an Fleischesser

Von den riesigen weltweit geernteten Mengen Sojabohnen werden tatsächlich nur 10 bis 20 Prozent als Lebensmittel von Menschen verzehrt. Knapp 80 Prozent der Bohnen wird zu Sojaschrot verarbeitet. Dieser ist zwar zum menschlichen Verzehr geeignet, aber Haupteinsatzgebiet ist die Nutztierhaltung. Das eiweißhaltige Futtermittel wird Hühnern, Schweinen und Rindern neben Gras, Getreide und Mais zugefüttert. Im Gegensatz zu den anderen Rohstoffen produziert Deutschland nur ein Prozent der benötigten Sojabohnen selbst und importiert den Rest größtenteils aus nicht EU-Ländern. Das hat zwei Haken:

Haken eins: Soja statt Regenwald

Große Urwaldflächen werden in Südamerika gerodet, um Sojabohnen und anderes für den Export anzubauen. Das bedroht die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren, die im tropischen Regenwald heimisch sind. Zugleich sind die rasch wachsenden Regenwälder einer der wichtigsten CO2-Speicher unserer Erde. Fallen sie weg, beschleunigt das den Klimawandel – insbesondere da die Flächen oft durch Brandrodung geräumt werden und so alles im Holz gespeicherte CO2 auf einmal in die Atmosphäre gepustet wird.

Haken zwei: Gentechnik und Unkrautvernichtungsmittel

Gut 95 Prozent der in Südamerika angebauten Sojapflanzen sind gentechnisch verändert. Dies dient dazu, dass die Felder mit Glyphosat behandelt werden können, einem Pflanzenschutzmittel, das alle Pflanzen und Organismen, mit denen es in Kontakt kommt, vernichtet – nur nicht die genveränderte Sojabohne. Somit ist es ein sehr effektiver Unkrautbekämpfer, aber auch umweltschädlich. In der EU wird über ein komplettes Verbot des Mittels diskutiert. Durch den großen Anteil an genveränderten Sojabohnen kann davon ausgegangen werden, dass ein Teil des Tierfutters aus gentechnisch veränderten Pflanzen besteht. Das Futtermittel der Tiere ist entsprechend gekennzeichnet. Fleisch, Eier und Milch von Tieren, die dieses Futter erhalten haben, aber nicht. Ausnahme sind zertifizierte Bio-Produkte: In der Europäischen Union ist die Verwendung von gentechnisch verändertem Futter nicht erlaubt.

Und was ist nun gesünder, Fleisch oder Tofu?

Die kurze Antwort auf diese Frage ist: Es kommt darauf an. Auf die Art des Fleisches bzw. des Tofus, die Häufigkeit des Konsums und darauf, was man sonst noch so isst.

  1. Beides sind sehr eiweißreiche Lebensmittel, die einen wichtigen Bestandteil der Ernährung bieten können.
  2. Im Gegensatz zu Fleisch sind Sojaprodukte außerdem cholesterinfrei, kalorienarm und enthalten kaum gesättigte Fettsäuren, was alles gut für Herz und Kreislauf ist.
  3. Verarbeitetes Fleisch wie Wurst, Gepökeltes und Geräuchertes erhöht bei größeren Verzehrmengen das Darmkrebsrisiko. Auch rotes Fleisch von Rind, Schwein und Lamm steht im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Weißes Fleisch, also Geflügel, ist in dieser Hinsicht unbedenklich.
  4. Tofu enthält einen dem Östrogen ähnlichen Stoff und steht daher im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen, was aber nicht bewiesen ist.
  5. Sowohl Fleisch als auch Tofu enthalten alle wichtigen B-Vitamine, wobei in Fleisch der Anteil deutlich höher ist.
  6. Dafür enthält Tofu wertvolle Mineralien wie Kalzium und Magnesium.
  7. Man sollte bei Tofu allerdings darauf achten, welche Zusatzstoffe bei der Produktion hinzugegeben werden. Manche Tofusorten enthalten recht viel Zucker und/oder Zusätze zur Verbesserung der Konsistenz.
  8. Fleischesser sollten dagegen auf fett- und cholesterinarme Fleischsorten achten (eher weißes als rotes Fleisch) und maximal 300 bis 600 g Fleisch pro Woche essen, je nach eigener Körpermasse und sportlicher Aktivität.
  9. Fleischesser sollten ihren Bedarf an Kalzium und Magnesium mit Milchprodukten und Gemüsesorten wie Spinat und Broccoli, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Nüsse decken.
  10. Vegetarier bzw. Veganer können ihre Zufuhr an B-Vitaminen mit Nüssen und Sesam, Hülsenfrüchten, verschiedenen Kohlsorten, Avocados und für Vegetarier Weichkäse verbessern.

Wenn auf abwechslungsreiche Mahlzeiten und mäßige Mengen geachtet wird, können also sowohl die Ernährung mit Fleisch als auch mit Tofu – oder auch mit beidem – gesund sein. Am besten achtet man beim Einkauf auf die Herkunft der Produkte sowie anerkannte Gütesiegel.

Tofu ja, Soja-Kraftfutter nein

Auch wenn die Nachfrage an Tofu immer stärker ansteigt, fällt der Verbrauch als ein direkt pflanzlich genutztes Nahrungsmittel für die Umwelt nicht ins Gewicht. Vegetarier und Veganer schützen vielmehr die Umwelt, indem sie wenige bis keine tierischen Produkte kaufen, bei denen die Tiere genveränderte Sojabohnen für das schnelle Wachstum erhalten haben. Sie können sogar gezielt relativ umweltfreundliche Sojaprodukte kaufen, da auf Lebensmitteln der Einsatz von Gentechnik gekennzeichnet werden muss. Als Fleischkonsument klappt das auch, indem man entweder auf Bio-Lebensmittel umsteigt oder auf das Siegel „Ohne Gentechnik“ auf den Lebensmitteln achtet.

Zur Übersicht der Lebensmittelsiegel in Deutschland

Was sind gesättigte und ungesättigte Fettsäuren?

Gesättigte Fettsäuren sind Fette, bei denen alle Bausteine eng zusammenhängen. Dadurch sind sie bei Raumtemperatur fest. Sie kommen häufig in tierischen Fetten, wie Butter und Fleisch, sowie in einigen pflanzlichen Fetten, wie Kokosöl, vor.

Ungesättigte Fettsäuren sind hingegen Fette, die bei Raumtemperatur oft flüssig sind. Sie haben besondere Bindungen, die sie weniger dicht machen. Man findet sie in Pflanzenölen, Nüssen, Samen und fettem Fisch. Sie sind besser für die Gesundheit, weil sie z. B. helfen können, Herzkrankheiten zu vermeiden.